Prozessphilosophie

Die Weiterbildung Prozessphilosophie

Theorie und Praxis der Embodied Philosophy von Gene Gendlin

mit Prof. Dr. Donata Schoeller

In diesen Weiterbildungsseminaren werden wir mit einfachen Übungen das den Körper einbeziehende Philosophieren Gendlins kennenlernen und praktizieren. Das wird uns dabei unterstützen, das Veränderungspotential des Focusing besser zu verstehen und sprachlich stimmiger zu vermitteln.

Wenn unser Denken zwischen Geist und Körper nicht trennen zu müssen glaubt, sondern die Welt als den Kontext versteht, den wir in Interaktion mit allem anderen leben, entwickeln und vorantragen, dann entsteht der Rahmen, in dem die Wirksamkeit von solchen subtilen Praktiken wie Focusing und TAE nachvollziehbar wird.

In Übungen, in denen wir Focusing zum Focusing machen, öffnet sich ein immer tieferer Spielraum dieser subtilen Handlungsmöglichkeiten. Dafür setzen wir auch Elemente des TAE ein, um das Zusammenspiel zwischen Formulierungskraft und Nach-Fühlen klarer zu bemerken.

 

Seminar I: Focusing vertiefen durch Philosophie
Kapitel VII und VIII von Gendlins Prozess-Modell

Wer Focusing übt, weiß aus Erfahrung, wie sehr es sich lohnt, eine Pause zu machen, um dem Erleben mehr Zeit und Raum zu geben. Ein Problem kann sich in einer solchen Pause derart verändern, dass man sich Umwege und mühsame Diskussionen erspart, oder dass man einen Schritt machen kann, der zuvor nicht einmal denkbar war. Wie erklärt man die merkwürdige Effizienz dieser Pause auch jenen, die Focusing nicht kennen?
Besser zu verstehen, was ein „Felt Sense“ bedeutet, öffnet neue Möglichkeiten, Focusing zu vermitteln, aber auch neue Spielräume für die Praxis. Focusing wird als Mikro-Tätigkeit begreifbar, als transformativer Tanz mit Situationen, ausdem neue Schritte entstehen können und indem auch neue Schritte auszuprobieren sind.
Gendlins Prozess-Modellentwickelt verschiedene philosophische Traditionen weiter, um die Konditionen und feintarierten, transformativen Möglichkeiten des Erlebens verstehbarer zu machen. Begreift man besser, dass unsere Körper fähig sind, Situationen zu fühlen, öffnen sich auch neue kreative Möglichkeiten der Übung.
In diesem Seminar vertiefen wir unser Verständnis dessen, warum Sprache uns berühren kann, was eigentlich „Situationen“ sind und warum ein verändertes Gefühl mehr ändert, als man sagen kann. Wir beschäftigen uns mit ausgewählten Passagen des Prozess-Modellsund machen zugleich Focusing. Mitzubringen ist allein die Bereitschaft, mit dem eigenen Erleben zu üben und zu denken.


Seminar II: Prozessphilosophie und TAE

Nachdenken und Entwickeln ... – und der Entwicklung nachdenken

Nachdenklichkeit zu kultivieren ist Nachhaltigkeit praktizieren in Zeiten gedankenloser Beschleunigung im Alltag, Berufsleben und in der Forschung.
Nachdenken ist immer auch Nacherleben, Nachfühlen, Nachmerken. Dabei versteht man auf einmal Zusammenhänge, die erstaunen können. Gutes Nachdenken lässt einen, im Unterschied zum Grübeln, besser erkennen, was wichtig, spannend, irritierend, fraglich, wunderbar, verwirrend, schützenswert, entfaltbar, transformierbar etc. erscheint. Gutes Nachdenken bringt eine Klarheit, die nie nur für einen selbst relevant ist. Selbst denken bedeutet, bei sich anzufangen mit einer Entwicklung, die etwas entdecken lässt, das für andere nachvollziehbar wird.
Dass man dafür nicht Philosophie-Expert*in sein muss, sondern zunächst das eigene Erleben vager Ideen, Intuitionen und Fragen kultivieren kann, demonstrieren Gendlins Praktiken. Sie beruhen auf dem turn to embodimentin der Philosophie, Psychotherapie und den Kognitionswissenschaften.
Wir werden in diesem Seminar mit den Methoden Focusing und Thinking at the Edge(TAE) ins eigene Denken kommen. Dann werden wir versuchen die Komplexität zu verstehen, die einen solchen Prozess ausmacht. Am Schluss werden wir wieder selbst versuchen individuell darüber nachzudenken, was hierfür für uns und unseren privaten und beruflichen Alltag wichtig und anwendbar ist.

 

Voraussetzungen:
Weiterbildungen: Basis, Essentials oder äquivalente praktische Erfahrungen und theoretische Kenntnisse von Focusing
Die Seminare können einzeln gebucht werden. Sie eignen sich sowohl zum Einstieg in die Prozessphilosophie als auch zur Fortsetzung und Vertiefung

Kosten:
für gegenwärtige oder ehemalige TeilnehmerInnen der Ausbildungen BeraterIn, TherapeutIn und TrainerIn pro Seminar: € 360.-, für externe TeilnehmerInnen: € 395.-

Rückmeldungen

von Seminarteilnehmer*innen zur Weiterbildung Prozessphilosophie:

Lesen, laut lesen, vorgelesen bekommen (wie lange ist das schon her?!), in der Gruppe, im partnerschaftlichen Lesen – das ist auch eine „Anwendung“ von Genes Philosophie. Dadurch habe ich sein „A Process Model“ leibhaftig verstanden: erschütternd, schwindelerregend, befreiend...

Mit einer „normalen“ Lese- und Auffassungsmethode kommt man bei diesem Buch nicht weit. Gene lädt mit seinem Werk ein – und mutet es einem zu –, seinemschöpferischem Denkwegzu folgen: eine Verführung zu einer „neuen Denkungsart“, in der das je eigene Leben und Erleben dabei sein darf und muss. Ansonsten öffnet sich sein Text nicht.

Dass in unserer Gruppe jede und jeder so selbstverständlich aufnahmebereit und einlassbereit dabei war, war sehr ermutigend. Und das Wetter: Ein besseres kann ich mir für meine Betriebstemperatur zur Textaufnahme gar nicht vorstellen (es muss norwegisch sein, so wie bei Wittgensteins Hütte in Skjolden). Ein „Hoch“ auf den Moorhof und seine Köstlichkeiten! Dir Donata und euch, Johannes und Katrin, besten Dank für die Ermöglichung! Ich freue mich aufs nächste Seminar.

Dipl.-Psych. Engelbert Langhammer, Psychotherapeut, Bonn

 

Das Seminar hat mich angeregt, im psychotherapeutischen Gespräch langsamer zu arbeiten, um beobachten zu können,wieVeränderung geschieht, und „gestoppte Prozesse“ noch genauer nachvollziehen zu können, um deren implizite Energie und Transformationspotenziale sich neu entwickeln zu lassen.

Dipl.-Psych. Christian Fritze-Dessauer, Psychotherapeut, Koblenz

 

Das Seminar war ein Augenöffner für mich, ich habe nicht damit gerechnet, dass hinter Focusing eine völlig neue Sicht bzw. ein neues Verständnis der Welt steckt und dass Philosophie ein sehr wichtiger Baustein der Psychotherapie ist. Auf mindestens zwei Ebenen war das Seminar für mich sehr wertvoll: Zum einen konnte ich inhaltlich Rogers und Gendlin besser verstehen, zum anderen hat mir das Seminar geholfen, einige blockierte Prozesse wieder in Gang zu setzten, was sich sehr positiv auf mein Schreiben der Masterthesis ausgewirkt hat.

Die Übungen waren für mich wichtig und notwendig, um erleben zu können, was die Theorie praktisch leisten kann. Es gibt kein besseres Lernen, als das selbst zu erfahren. Bei den Teilnehmern/Übungspartnern, die viel Focusingerfahrung mitgebracht hatten, möchte ich mich bedanken. Das „erlebende Denken“ konnte ich mir in mein privates Leben hinüberretten. Weitere Seminare zu Prozessphilosophie, aber auch zu TAE wären sehr hilfreich.

Endre Fischer, Personzentrierter Psychotherapeut, Linz

 

Es gibt leichtere Seminare, doch es ist lohnend, mit Mitmenschen gemeinsam mit einer so kompetenten „Lehrerin“ etwas so Tiefes zu erkunden.

Ich bin dankbar für die schönen Momente des Entdeckens meines Kopfes vom Körper her. (Ich finde, es sollte auch beim Essen jemand aus dem Buch vorlesen, wie früher in den mittelalterlichen Klöstern: „Essen ist Erlösung (…) von Hunger“.) Es bleibt mir eine gute Portion Demut vor einer unglaublichen Komplexität des Lebendigen.

Liebe Donata, weiter so, mir tut diese auch immer sehr persönliche Vorgehensweise von Dir gut. Danke an das wunderbare Buch eines alten Mannes und die herrliche Übersetzung durch eine kluge Frau.

Mag. Martin Christandl, Systemischer Psychotherapeut, Innsbruck

 

Ich habe erfahren, dass viel mehr geschieht, wenn Gendlins Prozessmodell gemeinsam in einer Gruppe gelesen und dann in Übungen das Gelesene erlebt und erfahren wird. Im Seminar geschah ein ganz besonderer Reflexionsprozess auf mehreren Ebenen: - ich mit mir/meinem Körper, - ich mit meinem Gesprächspartner, - ich mit der ganzen Gruppe (einer Gemeinschaft, in der ich anstelle von Scham Freude über das gemeinsame Erleben, Verstehen und Entwickeln empfunden habe), - ich mit meiner Vergangenheit (die dadurch in einem neuen Licht erscheint und mir eine neue Perspektive eröffnet).

Mein Bewusstsein hat sich im Lauf des Seminars dadurch, dass ich mehr Zugehörigkeit zu mir und den Anderen erlebt habe, erweitert: Ich konnte offener, akzeptierender und gelassener mit Situationen umgehen, denen ich mich vorher infolge von Ängstigung, Ärger oder Leugnung nicht getraut habe zu stellen.

Ich wünsche mir eine Fortsetzung und weitere Vertiefung dieser Seminare, vielleicht auch in Verbindung mit TAE.

Dr. Pětr Nawka, Psychiater und Psychotherapeut, Dresden

 

Aus dem Seminar habe ich mitgenommen, wie wichtig die aktive Auseinandersetzung mit Gendlins Philosophie ist – selbst für den Alltag. Gendlin hat uns lehren wollen, über die Prozesse, die unser (Er-)Leben ausmachen, prozesshaftnachzudenken, und das heißt auch, dass wir unseren Wissensdurst immer neu „am Denken selbst“ orientieren sollten und nicht nur an dessen Ergebnissen.

Die Methodik des gemeinsamen Lesens gepaart mit Gruppengesprächen zur Verständnisvertiefung und nachfolgenden Übungen habe ich als beeindruckend und wissensvertiefend erfahren: Ich empfand schon beim Lesen bzw. Zuhören eine Art Entschleunigung, und dadurch wurde dem Verstehensprozess mehr Raum gegeben. Das Wichtigste an dieser Methode scheint mir: Durch das gemeinsame Lesen waren wir angehalten, nicht nur „mit dem Kopf“ an die Lektüre heranzugehen. Wir haben uns nicht nur kognitiv mit den Inhalten auseinandergesetzt; vielmehr waren im Denken auch Hören und Sehen und Spüren und Fühlen inkludiert; und daher musste / durfte / sollte alles mitschwingen, was individuell gerade „da“ war.

Es war spannend und sehr angenehm zu erfahren, dass und wie Gendlins Maxime „Interaktion zuerst“ von Donata lebendig angewendet wurde. Es ging ihr nicht ums „Besprechen“ von Textinhalten aus Gendlins „Ein Prozess-Modell“, sondern – ganz dem Inhalt des Buches entsprechend – um unsere interaktive (lebendige) Auseinandersetzung mit dessen Inhalten und damit mit uns selbst. Ich bin sehr dankbar über die Tiefe der Gespräche und über die besondere Achtsamkeit im gegenseitigen Zuhören; und ich bin dankbar für die Offenheit des gegenseitigen Antwortens.

Diese Art des Philosophierens einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen, wäre wünschenswert! Denn „Philosophie“ ist in unserer schnelllebigen Zeit ja eher als exotische Blüte der Kultur am Rand der Gesellschaft angesiedelt. Und dabei wäre sie – insbesondere im Verständnis einer „(Lebens-)Prozess-Philosophie“ – so lebensnah zu verstehen und lebendig nachzuvollziehen!

Bitte weitermachen im Verbreiten dieses Themas in der Welt! Bitte mehr solcher Seminare!

Mag. Evelyn Högner, Pädagogin und Therapeutin, Wien

 

 

Raum SalzburgLandhotel Moorhof, Franking, Dorfibm

Seminar I05.03. - 08.03.2020Do 18 Uhr - So 13 Uhr
Seminar II 10.09. - 13.09.2020Do 18 Uhr - So 13 Uhr

Leitung:

  • Prof. Dr Donata Schoeller

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