Focusing
Wie wir in einer ungesicherten Welt zu Hause sein können
Johannes Wiltschko und Katrin Tom-Wiltschko

Johannes Wiltschko
Die Anstalt
Leo Wiens Erzählungen aus einer leeren Zeit
Roman, Keiper-Verlag, Graz
ISBN 9783902901989
€ 22,28
Viele Leser, gerade aus dem österreichisch-bayerischen Raum, werden sich in den Stätten ihrer Kindheit wiederfinden. In Kaffeehäusern, auf Parkbänken, im Internat, beim Segeln, beim Träumen von fernen Zielen.
Die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts – eine tote Zeit zwischen Wiederaufbau und Studentenunruhen. Die autoritären Strukturen wirken weiter, aber sie werden allmählich bemerkt. Von Leo Wien, einem blassen Knaben, in dessen Erfahrungen als Anstaltszögling sich der geistige Zustand dieser Zeit widerspiegelt. Der schwüle Geruch dieser Knaben- und Männeranstalt mischt sich mit dem Hauch einer jugendlichen Liebesgeschichte – und Leo entdeckt, dass der Grund seiner verlorenen, wurzellosen Lebensstimmung ein Reflex auf die sinnentleerte Befindlichkeit der Ex-Nazigeneration ist. Er braucht Jahre, um den bräunlichen Hintergrund sowohl in seiner eigenen Familie als auch im Anstaltsleben zu enthüllen. In sprachlich verdichteten Bildern wird dieses bislang von der Literatur wenig beachtete Jahrzehnt lebendig als äußere und innere Erfahrung Leo Wiens, dessen privilegiertes Aufwachsen in einem großbürgerlichen Familienclan den Stoff für diesen Roman abgibt.
„Dieses sehr persönliche und intime Buch hat mich innerlich bewegt. Die Schilderungen sind so anschaulich und packend, dass die jeweiligen Szenerien vor meinen Augen lebendig wurden.“
Anna Maria Peyer
„Ein Familienroman aus den Alpen, eine Geschichte von vielen, sehr gut erzählt und sogar mit einem Glossar für „Preissen“ versehen, worin die wichtigsten Ausdrücke ins Deutsche übersetzt werden.“
Jouvancourt (amazon)
Inhalt und Leseprobe
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Der Roman hat vier „Sätze“ mit drei Zwischenspielen und zwei Zugaben – auch im Text spielt Musik eine wichtige Rolle.
Das Motto des Romans:
»Leo« schrien die Kinder so laut sie konnten, wenn sie den Baum erreicht hatten, der sie davor schützte, gefangen zu werden. Jedenfalls damals, in den vorrevolutionären Sechzigerjahren. Auch in der Anstalt schrien das die Knaben, aber dort nützte es nichts. Anstaltshalber war ein solcher Baum nicht vorhanden. Deshalb nannte er sich selbst Leo – und Wien, denn wo sonst wäre es so zugegangen.
Aus dem Kapitel über den Tanzunterricht:
Das einzig Aufregende im Herbst des vorletzten Anstaltsjahres war der obligatorische Tanzunterricht. In einem Autobus wurden alle Zöglinge der siebenten Klasse, in dunklen Anzügen, Krawatte und frisch gewienerten schwarzen Halbschuhen, in die ehemaligen Pferdeställe des Palais Pallavicini verbracht. Dort warteten schon, auf einer Langbank sitzend, die höheren Töchter Wiens auf die Anstaltsknaben. Gute Partien, standesgemäße, wurden in der Wiener Gesellschaft frühzeitig von den Eltern angebahnt, und was eignete sich dazu besser als der für die gewöhnliche Jugend nicht zugängliche Anstaltskurs.
Und Vater hatte einen markanten Satz parat: Wer nicht Walzer tanzen kann, wird nichts in Wien.
Erst als er die Eingangstür zur Tanzschule passiert hatte, streifte sich Leo die weißen Zwirnhandschuhe über. Er nahm seinen Mut zusammen und schritt vor eine erwartungsvoll dasitzende junge Dame, irgendeine, schlug die Hacken zusammen, machte einen Diener und bot seinen rechten Arm zur Promenade an. »Sind Sie auch so schlecht in Latein?« und »Was ist Ihr liebstes Schulfach?« waren die beiden Standardeinstiegssätze, die sich Leo zurechtgelegt hatte, und deshalb achtete er darauf, jede Woche ein anderes Mädchen aufzufordern.
Wie der Ball für Leo ausgeht – und was ein Reißnagel damit zu tun hat – lesen Sie in der vollständigen Leseprobe.
Vollständiges Inhaltsverzeichnis und Leseprobe als PDF
Wie wir in einer ungesicherten Welt zu Hause sein können
Johannes Wiltschko und Katrin Tom-Wiltschko
Focusing als Basis einer Metapsychotherapie, Band I
Johannes Wiltschko
Nicht-Wissen als Quelle von Veränderung. Focusing als Basis einer Metapsychotherapie, Band II
Johannes Wiltschko
Eine schulenübergreifende Methode für Psychotherapie und Alltag
Eugene T. Gendlin und Johannes Wiltschko