Focusing und Philosophie
Eugene T. Gendlin über die Praxis körperbezogenen Philosophierens
Johannes Wiltschko (Hrsg.)

Eugene T. Gendlin und Johannes Wiltschko
Focusing in der Praxis
Eine schulenübergreifende Methode für Psychotherapie und Alltag
Stuttgart: Klett-Cotta 1999
7. Auflage 2021
€ 31,00
ISBN 9783608890624
„Es ist eines der wenigen Bücher, bei dem ich nicht das Gefühl hatte zu lesen, sondern mittendrin beim Lesen bin, in einem inneren Seminar, das sich in mir entfaltet. ... Anhand dieses Buches habe ich weitaus mehr gelernt, als mit aller anderen Literatur und Lehrern bisher!“
Silja Thiemann (amazon)
Inhalt und Leseprobe
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Über dieses Buch
Focusing und Focusing-Therapie: eine Begriffsklärung · Weiterführende Literatur
Aus Kapitel 1, „Eine Einführung in die Praxis des Focusing“ – Eugene T. Gendlin erklärt Focusing mit eigenen Worten:
Focusing ist eine kleine Zeit
Was ist Focusing? Meine einfachste und kürzeste Antwort lautet: Focusing nenne ich die Zeit, in der man mit etwas ist, das man körperlich spürt, ohne schon zu wissen, was es ist.
Was man aber weiß ist, dass dieses körperliche Gefühl mit irgendetwas im Leben zu tun hat. Es kommt nicht nur daher, dass der Gürtel zu eng ist oder dass man zu viel gegessen hat. Vielleicht kann es sich sogar so anfühlen, aber man weiß von innen, dass es sich auf eine Situation oder einen Lebensaspekt bezieht.
Auf dieses Gefühl, das ich im Körper spüre ohne zu wissen, was es genau ist, lenke ich meine Aufmerksamkeit und bleibe eine Minute oder eine Sekunde oder zehn Minuten dabei. Diese Zeit nenne ich Focusing. Über so eine Sache kann man alles Mögliche denken, immer aber hat man gleichzeitig auch noch ein körperliches Gefühl zu dieser ganzen Sache. Dieses körperliche Gefühl ist ein guter Führer. Ich nenne es Felt Sense.
Der Körper „weiß“ mehr als wir wissen
Die Essenz von Focusing ist, dass der Körper unsere Situationen und unser Leben lebt. Und so weiß unser Körper über das, was vorgeht, immer mehr als wir wissen. Wir können nur ein oder zwei oder drei Faktoren auf einmal denken, gewöhnlich nur einen, aber es sind immer fünftausend Faktoren an jeder Sache beteiligt.
Mit Focusing gehen wir zu einer tieferen Schicht in uns, einer Schicht, die tiefer ist als die Gefühle. Diese Schicht findet man zwar in derselben Richtung, in der man auch die Gefühle findet, aber man muss noch weiter und tiefer hinein. Dann findet man unter den Gefühlen noch etwas, und das ist körperlich, körperlicher als die Gefühle.
Die Eingangstür ist das körperliche Behagen oder Unbehagen
Der Eingang ist nämlich eine ganz schlichte Tür. Sie schaut ganz gewöhnlich und nicht sehr besonders aus. Diese Tür ist das körperliche Behagen oder Unbehagen. Focusing beginnt also ganz gewöhnlich. Wir sind nur alle trainiert, auf diese Tür nicht zu achten. Wenn man aber fokussieren will, sucht man genau dieses kleine Unbehagen, das im Körper wohnt.
Der Körper hat immer „das Ganze“
Der Körper „verganzheitlicht“ eine ganze Sache, er kann eine ganze Sache als Ganzes haben. Ein Problem, körperlich genommen, ist ein Ganzes, egal ob es klein oder groß ist. Das heißt: Der Körper weiß, was alles dazugehört und was nicht. Und wir wissen das nicht.
Wenn man auf das Behagen oder Unbehagen im Körper aufmerksam wird, bekommt man das, was wir einen Felt Sense nennen: eine körperliche Bedeutsamkeit, etwas Konkretes, das man im Körper unmittelbar spürt.
Im weiteren Verlauf des Kapitels leitet Gendlin eine erste Focusing-Erfahrung Schritt für Schritt an – von der Aufmerksamkeit in der rechten Zehe bis zum Erkennen der ersten kleinen Veränderungsschritte.
Vollständiges Inhaltsverzeichnis und Leseprobe als PDF
Eugene T. Gendlin über die Praxis körperbezogenen Philosophierens
Johannes Wiltschko (Hrsg.)
G. Stumm, J. Wiltschko, W. Keil (Hrsg.)
Protokoll einer Gesprächspsychotherapie, aufgezeichnet von ihrem Psychotherapeuten