Grundbegriffe der personzentrierten und focusingorientierten Psychotherapie und Beratung
G. Stumm, J. Wiltschko, W. Keil (Hrsg.)

Johannes Wiltschko (Hrsg.)
Focusing und Philosophie
Eugene T. Gendlin über die Praxis körperbezogenen Philosophierens
Wien: Facultas 2008
ISBN 9783708901893
€ 19,90
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„Dieses Buch gehört zu dem Dutzend an Werken, das ich aus einem brennenden Haus retten würde.“
Prof. Dr. Jürgen Kriz
Inhalt und Leseprobe
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5,0 von 5 Sternen – Das Buch rührt an den Wurzeln des Lebens
„Dort, wo die Sprache aufhört, wohnen wir wirklich“, so zitiert Wiltschko den Philosophen und Psychologen Eugene Gendlin am Beginn des Buches. Von diesem Wohnort handelt es und lädt ein, sich in diesem mauerlosen Haus umzusehen, vielleicht sogar dauerhaft niederzulassen.
Das Buch hat mich berührt, aufgerüttelt, wach gemacht, zutiefst inspiriert ob des Wahrheitsgehalts der Grundbotschaft, den es für mich in den Wörtern, im Dazwischen in sich birgt. Es stärkt ein Vertrauen, dass das, was jetzt aus meinem Körper entsteht und sich ausdrücken will, richtig ist. Es inspiriert das Neue, das Schöpferische, das Originäre. Denn das vermittelt es: Dass alles wertvoll ist, jeder immer schon über ein Wissen verfügt, eine Wahrheit, ein Erleben dieser Wahrheit. Es vermittelt, dass dieses Wissen hinter dem Wissen ist, hinter den Inhalten. Es ermutigt, diese Lücke offen zu halten und immer wieder über die eigenen Standpunkte hinaus zu sehen. Das Buch bekräftigt das Ich, das man hinter allen Identifikationen und Identitäten ist, darin, wahrhaft zu erleben. Es bestärkt mich in meiner therapeutischen Praxis, auf die dem lebendigen Körper innewohnende Kraft zu vertrauen, die Schritte hervorzubringen, die für die Lösung von Problemen notwendig sind.
Es geht um Philosophie, darüber hinaus um eine Alltags- und Lebenspraxis, zu welcher auch die Psychotherapie zählt, und um den Körper als „Wahrnehmungs-Schiff“ durch den Prozess des Lebens. Das Buch rührt an den Wurzeln des Lebens, um das vielleicht etwas pathetisch auszudrücken, und es fließt, einer Zitatensammlung gleich, über von starken, kräftigen Sätzen.
Bei aller Genauigkeit in der Begriffsbestimmung ist das Buch ein erfahrungszentriertes; die Begriffe und die theoretische Darstellung sind immer mit dem Inneren des körperlichen Erlebens verbunden. Gendlin ist darin leiblich anwesend in der ihm eigenen leidenschaftlichen Beziehung zum Leben.
Johannes Wiltschko, ein langjähriger Mitarbeiter und intimer Kenner des Werkes von Gendlin, hat als Herausgeber diesem Fluss im Buch dankenswerterweise Rechnung getragen.
Ich hoffe, dass sich Menschen und vor allem Psychotherapeuten nicht vom Grundthema „Philosophie“ abschrecken lassen, denn das Buch stellt eine Methode zur Verfügung, mit der man das Schöpferische, diese Kreation des Eigenen, fördern kann – mit dem jederzeit verlässlichen Fundament des Körper-Sinns.
Vorwort von Prof. Dr. Jürgen Kriz
Zugang zum „impliziten Wissen“ von Johannes Wiltschko – Ein Wohnort und ein guter Wegweiser: Der Felt Sense · Das Überwinden der Postmoderne · Entdecken Sie von innen, was die Neurobiologie von außen erforscht · Ein Fahrzeug für das 21. Jahrhundert: Focusing · Eugene Gendlin, Philosoph und Psychotherapeut
Die folgenden Kapitel gehen auf frei gehaltene, deutschsprachige Vorträge und Seminare Eugene Gendlins zurück:
Anhang: Sätze zum Weiterdenken · Wo und wie Sie Focusing lernen können · Literatur
Aus der Einleitung „Zugang zum impliziten Wissen“ von Johannes Wiltschko:
Dort, wo die Sprache aufhört, wohnen wir wirklich. Ein schöner Satz aus dem Mund des Philosophen und Psychologen Eugene Gendlin, den man sich gut merken kann. Und der auch ein Leitmotiv dieses Buches ist. Ein Satz aber auch, der sogleich Fragen aufwirft: Wo – bitteschön – soll dieser Ort sein? Nach oder vor der Sprache? Und kann man dort tatsächlich „wohnen“?
Ja, diesen Ort gibt es, und er ist immer bei uns. Es ist der Ort, den die Neuro-Wissenschaftler im Begriff sind, von außen zu entdecken. Was jetzt neurobiologisch und neuropsychologisch mit kostspieligen Apparaten untersucht wird, können Sie jederzeit selbst von innen finden: den Ort, an dem das geschieht, was zur Zeit in aller Munde ist: „Intuition“, „gefühltes Wissen“, „emotionale Intelligenz“. Diesen Ort nennt Eugene Gendlin Felt Sense.
Ein Felt Sense entsteht, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das richten, was Sie im jeweiligen Jetzt spüren – ohne schon zu wissen, ohne schon sagen zu können, was dieses Gespür ist. So ein Felt Sense ist nicht nur ein Wohn-Ort. Wenn Sie nämlich bei ihm sind, mit ihm verweilen, kommen aus ihm „Schritte“: Schritte des sich anders und neu Fühlens, Schritte des Erkennens von bislang Unerkanntem. Diese Schritte, Felt Shifts genannt, sind fast immer überraschend. Sie hätten sie sich vorher nicht ausdenken können. Und jeder Schritt vermehrt Ihr Wohlfühlen.
Und aus Kapitel I, Eugene T. Gendlin:
Was ist Focusing? Focusing ist, kurz gesagt, wenn man bei etwas, das man unmittelbar erlebt, aber nicht versteht, dabeibleibt. Diese Zeit mit etwas Unklarem, diese paar Sekunden oder paar Minuten, in denen man mit etwas ist, das man ganz konkret erlebt, ohne zu wissen, was es ist – das ist Focusing. Focusing ist wie eine Tür: Was auf der anderen Seite der Tür ist, überlasse ich jedem selbst.
Mit diesem Felt Sense wollen wir auch denken. Wenn ich über etwas nachdenke, will ich nicht nur die Konzepte der alten, schon bekannten Anschauungen dabeihaben, ich will auch den frischen Felt Sense von diesem Etwas dabeihaben. Wenn der Felt Sense in der Mitte sitzt, wenn wir ihn beibehalten als eine Basis, können wir in alle Richtungen weitergehen.
Aus dem Vorwort von Jürgen Kriz:
Dieses Buch von Johannes Wiltschko über Eugene Gendlin gehört zu dem Dutzend an Werken, das ich aus einem brennenden Haus retten würde.
Vollständiges Inhaltsverzeichnis und Leseprobe als PDF
G. Stumm, J. Wiltschko, W. Keil (Hrsg.)
Protokoll einer Gesprächspsychotherapie, aufgezeichnet von ihrem Psychotherapeuten
Wie wir in einer ungesicherten Welt zu Hause sein können
Johannes Wiltschko und Katrin Tom-Wiltschko